SIE ist eine Künstlerin. Sie lebt in
ihrer eigenen Welt. Was sie sich nicht vorstellt, existiert nur
schemenhaft. Sie ist hinter sich selbst zurückgetreten. Zum
Zentrum ihres Lebens hat sie den Mann gemacht. Ihn betet sie an.
Seit fünf Jahren lebt sie in der Angst, ihn zu verlieren und
damit sich selbst.
Die Selbstaufgabe entzieht ihr
den Boden. Sie wandelt in Fantasie- und Traumwelten. Wie eine
Eurydike, wie eine Ariadne. Das Telefon ist die letzte Verbindung
zum realen Leben, die letzte Lebensader. Mit einem ...t'aime...
wird die durchtrennt.
Mit dem Thema Liebe und Tod
wird ein antiker topos neu interpretiert. Diese Frau gibt sich
selbst auf und wird zur Bettlerin und zur Königin, zur Heiligen
und zur Huren, zur Mutter und zum Kind. Sie stirbt aus Liebe.
Aber was heißt hier Liebe, wenn die der Motor der Zerstörung
wird?
Das Telefonat verläuft in drei Etappen.
Es dient der Aufarbeitung ihrer Illusionen. Es soll den
Weg zu einer Entscheidung ebnen.
Das Wiederaufnehmen der Verbindung, das Spannen des
Kommunikationsfadens, das Senden von Gedanken, Vorstellungen,
Gefühlen. Dieser imaginäre Weg teilt sich in Szenen der
Erinnerung, das Aufspüren von Möglichkeiten des Lebens zu
zweit. Ein Leben allein scheint ausgeschlossen.
Das Programm ist abgespult. Alles ist nochmals gesagt, durchlebt,
durchforscht. Nun kommt der Haltepunkt, der Moment des
Zögerns: Zeit gewinnen vor der letzten Entscheidung.
Ablegen, aufräumen, aussondern, einholen, einsammeln, entzaubern,
sortieren, trennen, verabschieden, verbrennen, verlassen,
zerschneiden, zerstören.
Die zwei Tänzer, mit denen wir arbeiten, sind die imaginären Kräfte in ihr,
die sie treiben, die ihr zustimmen, die sie ablehnen, mit denen sie ringt
- Ebenen ihres Denkens und Fühlens.