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konzept

Ein Musikdrama mit großem Format

Südwest Presse, 19.Juni 1998

...von wegen Opernprovinz... Da mag nun Bühnenbildner Hans Dieter Schaal seinen Namen zurückgezogen haben, weil er seinen Entwurf nicht ideal verwirklicht sieht. Was aber das Theater mit einem Kraftakt auf die Bühne stellte, das ist ein metaphernreicher, eindrucksvoller Raum: Riesige Scherben, Schollen symbolisieren eine Welt, die aus den Fugen geraten ist, in der Mord und Machtgier herrschen, in der Menschlichkeit zerbricht. Arila Siegert, die Regisseurin, choreografiert mit großer Sicherheit darin die Figuren, setzt im Verein mit Kostümbildnerin Marie-Luise Strandt klare Zeichen. Sie erzählt das Drama pointiert, spannend, nie konventionell.


Ein Drama, kein Thriller

Stuttgarter Zeitung, 26.Juni 1998 (Hanns-Horst Bauer)

Zu Beginn reiten sie, wie sich das gehört, putzmunter auf dem Besen ein. Später marschieren sie brav in Reih und Glied wie harmlose Sandmännchen auf. Dann wieder mutieren sie, demütig gebeugt zu Madonnen, zaubern schließlich gar aus unschuldigen weißen symbolkräftig blutrote Tücher. Die Hexen, das dämonisch-subversive Element in Verdis Macbeth, kommentieren in der faszinierenden und fesselnden Neuinszenierung des Melodrams im Großen Haus des Ulmer Theaters nicht nur das Geschehen auf der Bühne, sie verkörpern auch das Unbewusste von "Lady & Macbeth". In dieser flotten Kombination bringt die Regisseurin Arila Siegert die beiden Haupt-Protagonisten im Programmheft zusammen und deutet damit bereits ihre Sicht auf das Werk an... Einen "Prozess des Nachdenkens" will sie ... in Gang halten. Und das gelingt ihr vortrefflich, indem sie dem Seelenleben der Protagonisten, und hier natürlich vor allem der Lady, nicht nur intelligent und sensibel nachspürt, sondern es auch schonungslos, einfallsreich und bühnenwirksam offen legt...


Königsmord in der Wüste der Seelen

Schwäbische Ztg, 20.Juni 1998 (Günter Buhles)

...Schließlich ist es in breitflächig projizierten Wellen bei der Chorszene mit Vorahnungen des zweiten Mords, dem an Banco, als breche das Meer herein ins karge Land. Die Sänger tragen blutrote Blätter jener Rosen im Gesicht, welche Lady Macbeth in machtsüchtig-blindwütiger Vorausschau auf den Königsmord zerfetzt hat. Noch trägt sie selbst das weiße Kleid, das sie bald gegen das rote, signalhaft in vielfach schwarz-grauer Umgebung leuchtende vertauscht. Die Chor Paare tanzen auf der als zentrale Spielfläche dienenden, gerahmten Vorderbühne spielerisch mit blitzenden Dolchen, die sie bald auch noch aufeinander richten werden. Die Botschaft solcher Szenen leuchtet ein: Von nun an ist niemand mehr sicher in dieser Wüste der Seelen. Zu den herausragenden Ideen der Inszenierung zählt der symbolhafte Aufzug eines viele Meter langen schwarzen Tuchs durch die Reihen der Solisten und Choristen nach der Entdeckung des toten Schottenkönigs im ersten Akt. Sinnträchtig wird der Gedanke weiter verfolgt... So gibt Arila Siegerts Regie immer wieder unerwartete Anstöße. Sie vermag Assoziationen und Nachdenklichkeit auszulösen, ohne die Neudeutung um jeden Preis zu suchen.


Königsmord und Wahnsinn

Südkurier, 24.Juni 1998 (Wolf-Peter Bischoff)

...am Ende einer an Höhepunkten nicht armen Spielzeit des Ulmer Theaters ... ein weiteres sehens- und hörenswertes Ereignis... Regie führte Arila Siegert, und ihr kam das Verdienst zu, die unheimliche Dramatik und Dichte des Macbeth nicht nur nicht zerstört, sondern durch kluge Kompositionen und Ereignisse noch verstärkt zu haben. Einfach, aber schaurig schön, den toten Banco als [Shakespeare-Englisch deklamierenden] Schauspieler einzusetzen, der seinen Mörder um den Verstand bringt, ergreifend die Schlafwandlerszene der Lady Macbeth.