Zur Premiere bei der Expo, 9.Juli 2000Dramatisch expressiv und betörend schönDer Meister und Margarita auf der ExpoAndreas Waczkat in der Ostsee-Zeitung, 11.Juli 2000Mit der Produktion von
Sergej Slonimskis Kammeroper Der Meister und Margarita
hat das Rostocker Volkstheater eine äußerst beeindruckende künstlerische
Visitenkarte auf der Expo abgegeben. Als eines von fünfzehn bundesdeutschen
Theatern im Deutschen Pavillon porträtiert, brachte das Ensemble in einer
Inszenierung von Arila Siegert das im kommunistischen
Russland unterdrückte Werk zu seiner deutschsprachigen Erstaufführung: Nach
öffentlicher Generalprobe am Samstag fand die mit Begeisterung aufgenommene
Premiere am Sonntag Abend statt - trotz zeitgleicher prominent besetzter
Konzerte des Ensemble Modern oder der Klarinettistin Sabine Meyer übrigens vor
ausverkauften Rängen. Beklemmende ChoreografieS.Slonimskis Meister und Margarita im Deutschen PavillonLudolf Baucke in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, 11.07.2000...Der Glücksfall einer aus musikalischer Überhöhung gespeisten Literaturoper wurde durch die szenische Präsentation so nachhaltig verstärkt, dass das hervorragend besuchte und viel bejubelte Gastspiel des Volkstheaters Rostock deutlich in Erinnerung haften bleiben wird... ders. in Neue Musik Zeitung 9/2000...Vom Bühnentanz kommend inszenierte Arila Siegert diese Kammeroper, die sich von schaler Veroperung löst und immer wieder auf extrem kammermusikalische Gestik sich beschränkt als beklemmende Choreografie von Raumdispositionen und Bewegungsabläufen... Manuskripte brennen nichtS.Slonimskis Bulgakow-Oper Der Meister und Margarita auf der ExpoBernd Feuchtner in Opernwelt Heft 9/10 (Sept./Okt.2000)So mühsam ... ein Besuch der Hannoveraner EXPO ... auch ist, immer wieder findet man
dort durch Zufall doch Ereignisse der Sonderklasse....
Slonimski war ein Querkopf..., der mit der Zwölftonmusik experimentierte, als
sie noch immer als westlich-dekadent verurteilt wurde.... Schostakowitsch
hielt viel von dem jungen Kollegen, er lobte die Oper... Er hatte den
verwandten Geist erkannt, einen spekulativen Musiker, der die russische wie
die europäische Kultur philosophisch reflektierte. An "Der Meister und
Amrgarita" begeisterte Slonimski vor allem die Verschränkung russischer und
deutscher Literatur - Gogol und Dostojewski auf der einen Seite, Goethe und
E.T.A.Hoffmann auf der anderen satnden Pate bei diesen wunderlichen
Ereignissen in der schlimmen Zeit der Sowjetunion... Bemerkenswert die
Schlichtheit der Mittel, denn eigentlich hat Slonimski eine Anti-Oper
geschrieben, eine Kammeroper für kleines Ensemble, das zudem sehr selten
seinen vollen Klang zeigt. Der Teufel kommt nach MoskauDt.EA von Sergej Slonimskis Oper Der Meister und Margarita bei der Expo in HannoverStefan Melle in Berliner Zeitung, 11.Juli 2000Die umfangreiche Beteiligung ostdeutscher Bühnen beim Zyklus "Theaterporträt" im
Deutschen Expo-Pavillon darf man als Wertschätzung verstehen. Freilich können
all die Auftritte der Theater aus Cottbus, Meiningen oder nun letzten Sonntag
das Volkstheater Rostock mit ihrem Erfolg auch darüber hinwegtäuschen, dass in
den neuen Ländern immer mehr Bühnen geschlossen werden. Mecklenburg-Vorpommern
hat von einst fünf Dreispartentheatern lediglich zwei erhalten, die Schweriner
Philharmonie ist heute schon fast vergessen, und das leidlich verschonte
Rostocker Ensemble wartet weiter auf sein dringend nötiges neues Haus. Das
Rostocker Theater gilt als kreativ, die Norddeutsche Philharmonie hat unter
Michail Jurowski, der inzwischen nach Leipzig gewechselt ist, einige Güte
erlangt. Den Auftritt auf der Weltausstellung verdanken die Hansestädter zudem
ihrem ungewöhnlichen, von Jurowski initiierten Projekt: Arila Siegert
inszenierte die deutsche Erstaufführung einer Oper des russischen Komponisten
Sergej Slonimski nach Michail Bulgakows faustischem
Fantasieroman "Der Meister und Margarita". 1991 fand in Dresden zwar bereits
eine Aufführung statt, doch nur "halb konzertant" (Slonimski) und ohne
wesentlichen Nachhall. Die Frage nach Schuld, Verrat und VerzeihenMeister und Margarita auf der Expodpa in Schweriner Volkszeitung, 11.07.2000Das Bühnenbild wechselt ständig - und kommt doch fast ohne Requisiten aus. Die Schauspieler sind grau gekleidet und überzeugen durch ihre Stimmen... Die rund 300 Zuschauer belohnten die Inszenierung der Berliner Regisseurin Arila Siegert mit lang anhaltendem Applaus... Mit ihrer modernen Inszenierung will die Regisseurin zeigen, wie ein Mensch seine schöpferische Kraft entfaltet und in die Tat umsetzt. Die Handlung wird durch den sich ständig verändernden Bühnenhintergrund unterstützt. Der Maler Helge Leiberg entwickelt das Bild während der laufenden Aufführung mit einfachen Pinselstrichen, die mit einem Oberlichtprojektor auf die Wände geworfen werden. Meister und MargaritaS.Mauß in Opernglas 10/2000...dass großes Theater nicht unbedingt mit der Größe des Theaters korreliert, zeigte das Volkstheater Rostock mit der Deutschen Erstaufführung von Sergej Slonimskis Meister und Margarita... Rostocks ehemaliger GMD Michail Jurowski ... war maßgeblich an der deutschen Fassung der Oper beteiligt... Slonimski findet für den Stoff eine kongeniale Tonsprache... Ein...Glücksfall für das Werk ist seine szenische Umsetzung durch ... Arila Siegert. Ihre choreografische Personenführung ... verstärkt den Ausdruck von Text und Musik zusätzlich. Marie-Luise Strandts nach allen Seiten offene Bühnenbilder ließen noch Platz für eine weitere Sensation. Der Berliner Maler Helge Leiberg malte "live" während der Vorstellung Aquarelle auf Overhead-Projektoren, die auf diese Bühnenbilder projiziert wurden. Ein frappierender Effekt... Auch die Sänger ließen keine Wünsche offen... Insgesamt boten die Rostocker einen intensiven Theaterabend, der ohne Zweifel noch länger in den Köpfen der Besucher nachwirkte... Zur Rostocker Premiere, 6.Oktober 2000Volkstheater setzt noch ZeichenMeister und Margarita erregend und anregendHeinz-Jürgen Staszak in Schweriner Volkszeitung, 9.10.2000Nun hat das Volkstheater doch noch ein deutliches Zeichen gesetzt, mit der es sich als Anstalt eingreifender und aufstörender Kunst kenntlich machen will... Der Meister und Margarita markiert auf irritierende Weise das dornige Feld der modernen Kunst in den politischen Auseinandersetzungen des 20.Jahrhunderts. Sein Name ist Verhinderung... Slonimskis Oper kondensiert das verwirrende Gewebe [des Romans] zu einem Kammerspiel... Sie "entsurrealisiert" gewissermaßen..., und diesen Weg geht auch die Musik... 13 Solisten der Norddeutschen Philharmonie musizieren sie unter der Leitung von Michail Jurowski ... in schöner Klarheit. Das Sängerensemble, verstärkt durch mehrere Gäste, singt mit hohem Engagement. Die Entdeckung des Abends ist die junge Aukse Bulkiene, die mit darstellerischer Begabung und hoher Musikalität der Margarita ein faszinierendes Profil gibt. Die Inszenierung von Arila Siegert ... vermeidet psychologischen Naturalismus ebenso wie eine Überschwemmung mit symbolisch-fantastischen Bildern... Und dann gewinnt die Szene doch noch eine surrealistische Dimension: der Maler Helge Leiberg überdeckt die szenische Darstellung mit gerade entstehenden Bildentwürfen: Skizzen, Ornamenten, Farbenspielen - man muss es gesehen haben, besonders den Beginn des zweiten Akts mit der Kreuzigung Jesu und dem anschließenden Teufelsbacchanal. Es ist vornehmlich dieser Kunstgriff, der der ganzen Oper schließlich doch das erregende und anregende Faszinosum und Geheimnis des Theatralischen gibt. Theater im KopfVom Buch auf die Bühne: Meister und Margarita in RostockIrene Thüngler im DLF-Musikjournal, 16.10.2000...Die Orchestersolisten musizierten unter Michail Jurowskis Leitung sehr präzise und mit der für diese Musik unbedingt notwendigen Präsenz... Die himmelhoch getriebene Partie der Margarita wurde von Aukse Bulkiene mit messerscharfer Diktion gesungen... Arila Siegerts nie forcierende Inszenierung korrespondoierte mit der fein gesponnenen Musik und ließ den Sängern sehr viel Raum, ihre Figuren bis ins Detail zu formen... Opernglas, Ausgabe 10/2000 Und dass großes Theater nicht unbedingt mit der Größe des Theaters korreliert, zeigte das Volkstheater Rostock mit der Deutschen Erstaufführung von Sergej Slonimskis »Meister und Margarita«. Das schon 1972 entstandene Werk galt zu seiner Entstehungszeit als nicht unbedingt systemkonform in der damaligen UdSSR und wurde erst 17 Jahre später publiziert. Rostocks ehemaliger GMD Michail Jurowski, inzwischen musikalischer Leiter der Oper in Leipzig, setzt sich seit längerem als Freund Slonimskis für das Werk ein (er hatte es schon konzertant in Dresden aufgeführt) und war nun auch maßgeblich an der deutschen Fassung der Oper beteiligt. Das Werk basiert auf Michail Bulgakows gleichnamigem „Kultroman“, der erst nach seinem Tod im Jahr 1967 veröffentlicht wurde und eine scharfe Satire auf die gesellschaftlichen Strukturen in der damaligen Sowjetunion darstellt. Der Meister schreibt an einem Roman über Pontius Pilatus, der über die Schuld nicht hinwegkommt, Jesus entgegen seiner eigenen Überzeugung zum Tode verurteilt zu haben. Ein Gespräch zwischen Pilatus und Christus schließlich löst in dem Roman des Meisters diese Schuld. Während die Geliebte des Meisters, Margarita, die Veröffentlichung dieses Romans vorantreibt und sich dafür sogar mit dem Teufel (in der Person des Magiers Voland) einlässt, arbeiten die Kulturfunktionäre genau dagegen an. Zum skurrilen Schluss zaubert just der Teufel das vom Meister verbrannte Manuskript wieder herbei. Slonimski findet für diesen faszinierenden Stoff eine kongeniale Tonsprache. In seinem Kammerorchester sind alle Instrumente nur einmal vorhanden, mit Ausnahme der doppelten Harfen, und werden somit zwangsweise solistisch behandelt. Mit frappierendem Effekt. Slonimski zwingt den Hörer jederzeit zum Hinhören und setzt Tutti-Effekte nur ausgesprochen sparsam ein. Das Ergebnis ist ein unerhört konzentriertes Klangbild, das virtuos mit den verschiedensten Klangstilen vom Volkslied bis zur Zwölftonreihe spielt. Die Leitmotivik wird durch die Zuordnung einzelner Instrumente zu den einzelnen Charakteren verstärkt. So erscheint diese Musik gleichsam zeitlos, ohne dabei antiquiert zu wirken, wie es die Hannoveraner jüngst bei Volker David Kirchners ungleich aufwändigerem EXPO-Projekt »Gilgamesh« vor Ohren geführt bekamen. Ein weiterer Glücksfall für das Werk ist seine szenische Umsetzung durch die vom Tanz kommende Regisseurin Arila Siegert. Ihre choreografische Personenführung bekommt diesem Stück ausgesprochen gut und verstärkt den Ausdruck von Text und Musik zusätzlich. Marie-Luise Strandts nach allen Seiten offene Bühnenbilder ließen auch noch Platz für eine weitere Sensation. Der Berliner Maler Helge Leiberg malte „live“ während der Vorstellung Aquarelle auf Overhead-Projektoren, die auf diese Bühnenbilder projiziert wurden. Ein frappierender Effekt, den man in Hannover noch aus dem Vorjahr in bester Erinnerung hatte, als Leiberg bei den „Tagen der Neuen Musik“ Schönbergs »Pierrot Lunaire« auf die gleiche Art und Weise „illustrierte“. Wenn es beim Brand des Literaturhauses beispielsweise so aussieht, als würden die Sänger in roter Farbe ertrinken, sind das Effekte, denen sich kein Zuschauer entziehen kann. Mit einfachsten Mitteln gelingen hier Bilder, die lange im Gedächtnis bleiben. Und auch musikalisch geriet dieser »Meister« meisterhaft. Michail Jurowski war am Pult der hervorragend disponierten Norddeutschen Philharmonie Rostock der musikalische Spiritus Rector des Unternehmens, und auch die Sänger ließen keine Wünsche offen. Die junge Sopranistin Aukse Bulkiene war stimmlich und darstellerisch eine sehr intensive Margarita, wenngleich eine gewisse Schärfe in der Höhe nicht zu überhören war. Olaf Lemmes introvertierter „Meister“ war ihr stimmlich wie szenisch ein hervorragendes Pendant. Und Tomas Möwes’ diabolischer Voland gewann dem Teufel auch einige menschliche Seiten ab. Auch Carsten Sabrowski als von Gewissensbissen gepeinigter Pilatus sowie Thomas Oertels geradliniger Jeschua boten fesselnde Rollenporträts. Insgesamt boten die Rostocker einen intensiven
Theaterabend, der ohne Zweifel noch länger in den Köpfen der Besucher
nachwirkte - was man leider nicht von vielen „Events“ auf der
Weltausstellung behaupten konnte.
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