Opernfestival Tampa / FL (Konzept)
Opera review:

 'Magic Flute' flutters high with colorful comedy

By Jim Harper, Tampa Times Correspondent, Saturday, February 8, 2014 5:02pm

Color, movement, comedy and high ceremony were the hallmarks of Mozart's The Magic Flute in its opening performance by Opera Tampa at the Straz Center in Tampa on Friday night.

Oh yes, and beautiful singing too — although sometimes there was so much happening onstage that one's attention could stray from some of the most sophisticated music Mozart ever wrote.
Even an opera purist, however, must remember that Mozart and his librettist Emanuel Schikaneder planned something of the sort. Together they devised an entertainment that contained as much slapstick as love song and solemn ritual.
In any case, Friday night's audience ate it up.
For comedy, it's hard to imagine a funnier performance than Aaron St. Clair Nicholson's as Papageno, the bumbling, self-centered, cowardly (and horny) bird catcher. His rubbery limbs and deadpan face were all over the stage, with perfect comic timing. Likewise "the three ladies," henchwomen to the devious Queen of the Night, looked like the original bad girls, decked out in sunglasses and spiky hair. When they later appeared in scarves I immediately thought of Thelma and Louise.

Magic Flute, unlike most operas, includes regular episodes of spoken dialog. In this production the funny bits were enhanced by speaking them in English, while the singing remained in the original German, with translations above the stage, of course.
Ultimately, an opera's impact relies on the quality of that singing. Most of the internationally drawn cast did not disappoint.
Jonathan Boyd, in the lead role of Prince Tamino, was especially stalwart. Boyd displayed a clear and focused tenor voice full of masculine assurance, well matched to a character who must prove both his humanity and his strength of purpose by undergoing a series of trials.
James Moellenhoff, as the high priest Sarastro, was similarly impressive, his deep bass conveying the nobility of benevolent wisdom and brotherhood.
The most difficult role belongs to the Queen of the Night. She has only two arias, but they are scorchers, requiring almost superhuman control of many rapid high notes. Coloratura soprano Sang-Eun Lee's tone was pure and her voice impressively agile. In two very brief moments, alas, she proved to be human.
Sari Gruber gave a transparent and emotionally effective performance of Princess Pamina, especially in the scene where she contemplates suicide because she falsely believes her prince, pledged to silence during his initiation rituals, has forsaken her.
Only Brian Downen, as Monostatos, lacked sufficient projection to be an effective villain, even a pitiable one.

Now, back to the staging. Artistic director Lipton engaged a German expressionist choreographer, Arila Siegert, to direct the action. Siegert missed no opportunity for movement, sometimes to enchanting effect. The scene where Papageno and his new mate Papagena giddily anticipate the creation of new offspring is funny and sexy without offending anyone's grandmother.
Even Siegert's radical recasting of Tamino as merely a young man, who dreams he is Prince Tamino, works well enough. Until the very end: The dream has to end, and Siegert has to get the young man back to his bed.
Mozart's opera sublimely ties all loose ends together in a glorious three-minute major-key finale. But just as we should be reveling in that music, our eyes are drawn to the confusing spectacle of Tamino wandering lost and alone among the joyful throng, without his Pamina. And the Queen of the Night — didn't she just disappear into a fiery pit? What's she doing there?
Only in the last seconds, as the music ends, does the real-life Pamina return to her loved one, in his rumpled bed.

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The Magic Flute”
Opera Festival Tampa/Florida - (p)reviews (Pdf)

Tampa Times, 03.Febr. 2014 / Tampa Tribune, 07.Febr. 2014

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Tartu / Estland (Konzept)

Die Zauberflöte” (Võluflööt) von – eine verlockende Einladung zur Oper

Kati Murutar, “Pärnu Postimees“ 11.10.2005

„Nicht zuletzt ist die gemeinsame Arbeit der Deutschen Arila Siegert und Susanne Knapp sehr beweglich und tänzerisch, findig und scharfsinnig geworden.“
„Die durch einen frischen Blick ins Leben gerufene schwarzweiße Bühne macht braune und graue Töne lebendig; diese Farben werden metallisch sowie auch matt in den Kostümen variiert – aus der Fremde herbeigebracht sind so auch diese in Frische! – und verleihen den Bewegungen des Vanemuise-Chors Luftigkeit und die richtigen Akzente.
Siegert-Knapp-Schaal-Strandt haben diese kurzbeinige Masse geschwind vom Boden erheben können.“


Die spielerische «Zauberflöte» in Tartu

Alvar Loog, “Postimees“ 03.10.2005

„Die von der Deutschen Arila Siegert im Großen Haus von Vanemuine zum 250. Geburtstag von Mozart auf die Bühne gebrachte «Zauberflöte», die am Sonntag ihre Premiere hatte, befindet sich konzeptuell absolut auf dem Niveau der Herausforderungen und Erwartungen. Teilweise reicht sie darüber hinaus.
„Das Bühnenbild von Hans Dieter Schaal verblüfft in seiner luftigen Weitläufigkeit. Im Bühnenbild herrscht Überraschung dunkler Färbung vor, große und bewegliche Stoffe schaffen jedoch reichlich Möglichkeit für dynamisches Potential sowohl für das Licht als auch die Bewegungen auf der Bühne.“
„Die feinen und modernistischen Kostüme von Marie-Luise Strandt waren ein echter Blickfang, wegen des reinen Konzeptualismus hatte sie jedoch ihre Phantasie hauptsächlich bei den Darstellern der Nebenrollen wirken lassen.“
„Arila Siegert hat eine interessante und detailreiche Aufführung geschaffen, in der Ideen für mehrere ähnliche Vorhaben verborgen sind.

Als Identifikationsmerkmale ihrer «Zauberflöte» seien hier Schauspielhaftigkeit, Visualität und in erster Linie Choreografität genannt. in Siegert scheint das Blut einer Musical-Regisseurin zu fließen.“
«Die Zauberflöte» von Vanemuine ist im Schlüssel der Kabarett-Ästhetik inszeniert worden, wobei die Musik, Worte und Bewegung synchron verlaufen.
„Im gemeinen Kampf um die Gunst des Publikums haben die findigen Inszenierungen und Choreografie die Musik in den Hintergrund rücken lassen.“
„Ihre (Wendy Waller) Nachtkönigin war technisch großartig - nicht so kühl wie gewohnt, eher sensuell, mehr exotisch als unirdisch.“
„«Die Zauberflöte» von Arila Siegert ist ein Beispiel aus dem Lehrbuch der Inszenierung. Eine andere Frage ist jedoch, inwiefern sich ihre Handschrift mit der der klassischen Oper deckt.“


Kann ein “Ismus” die Schönheit von Mozart töten?

Tiiu Levald, “Sirp” 14.10.2005

Sicherlich bietet diese Oper unendliche Möglichkeiten zur Fantasie, aber keinesfalls möchte man mit Verzerrung einverstanden sein, die in dieser Inszenierung sogar als roter Faden aufgefallen ist – teilweise als ein verhöhnender Feminismus wirkender Wunsch, alle männlichen handelnden Personen zu verspotten.
Nicht genug damit, dass der erste Auftritt von Sarastro so unterstrichen das Erscheinen vor die Untertanen des Großen Führers mit „Adlerblick“ war, er musste sich vor Pamina ausziehen, damit sie das verräterische Messer in seine haarige Brust stecken könnte! Aus Tamino ist ein Dummerchen und aus Papageno ein Tölpel gemacht worden. Wieso?
In der Musik von Mozart sind die Arien von Sarastro voll von Vornehmlichkeit und Menschlichkeit, Taisto Noor hat sie auch mit großartigem Stielgefühl vorgeführt.
Dirigent Hendrik Vestmann hat trotz alldem eine sehr schöne musikalische Ganzheit geschaffen. Das Gleichgewicht zwischen Orchester und Bühne war gut, die Tempos überzeugend. Kantilenen konnten klingen und Koloraturen wurden in keine Sackgasse getrieben.

eesti kriitik Tartu pdf


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Osnabrück (Konzept)

Alle Figuren suchen ein schönes

Mozarts Zauberflöte in Osnabrück

Christoph Schulte im Walde, in „Westfälische Nachrichten“, 29.März 2005

Opernpremiere am Karsamstag – na prima. Dieser Termin dürfte Regisseurin Arila Siegert bestimmt prächtig gepasst haben. Denn in der Osnabrücker Zauberflöte spielt ein (Oster-)Nest und spielen (Oster-)Eier eine wichtige Rolle, mal taubengroß, mal vom Vogel Strauß gelegt. Einem roten Faden gleich zieht sich das riesige Gefecht aus Zweigen durch das Bühnenbild (Hans Dieter Schaal), sowohl in der Welt der „Königin der Nacht“ als auch in Sarastros Tugendtempel.

Arila Siegert erzählt Mozarts Meisterwerk als eine Geschichte, in der Tamino und Pamina in verschiedenen unwirtlichen Welten Liebe und Geborgenheit suchen – kurz: ihr eigenes Nest zum Kuscheln, einen Ort der Geborgenheit, von dem aus sie ihr Leben, ihre Zukunft organisieren können. Dabei gelingen ihr einige schöne Bilder, etwa wenn der Vogelfänger und Papagena für ihre allerersten Zärtlichkeiten partout nicht die richtige Stellung im Nest finden wollen. Auch die drei Knaben als wirkliche Nothelfer sind eine Augen- und eine echte Ohrenweide. Situativ gibt es derlei unterhaltsame, das Zwerchfell aktivierende Momente häufig in dieser Inszenierung.

...Stimmlich und darstellerisch der Publikumsliebling am Premierenabend: Papageno Christoph Nagler. Der Tamino war bei Joan Ribalta gut aufgehoben, auch wenn von seinem gewohnten Tenor-Glanz diesmal etwas fehlte. Ordentlich die Damen: Angelina Ruzzafante sang die Königin der Nacht mit viel Kraft, aber knapp verfehlten Spitzentönen. Natalia Atamanchuk traf sie besser, doch fehlte ihr die Vielfalt an Farben, die für Mozarts Pamina nicht unwichtig sind.
Am Dirigentenpult stand Marius Stieghorst, Osnabrücks frischgebackener Erster Kapellmeister. Letzten Feinschliff im Orchester, perfekte Abstimmung mit den Sängern – das werden die kommenden Aufführungen ganz sicher bringen.


Zwei Halbstarke müssen sich entscheiden

Mozarts Zauberflöte präsentiert sich unterhaltsam und leicht in Osnabrück

Christoph Broermann, in „Münstersche Zeitung“, 29.März 2005

…Regisseurin Arila Siegert erzählte in ihrer fast zeitlosen, mit modernen Elementen versehenen Inszenierung die Geschichte von zwei jungen Männern: Tamino und Papageno. Sie arbeitete dabei die zwei unterschiedlichen Charaktere heraus. Der eine ist ein Prinz mit ehrgeizigen Plänen – was Karriere und Frau betrifft. Der andere ist Vogelfänger, der ohne Stress in den Tag hineinlebt. Diese beiden Halbstarken bekommen im Machtkampf zwischen Gut und Böse immer wieder eine neue Entscheidungsmöglichkeit geboten.

In Bezug auf den Sonnenherrscher Sarastro (mit schwarzem Bass: Michael Tews) und die Königin der Nacht (Angelina Ruzzafante zeigte bei den schwierigen Koloraturen Nerven) hatte die Regisseurin wenig Neues, aber viel Unterhaltsames zu erzählen. Herrlich grotesk (und manchmal schon lächerlich) waren die streng geometrischen Formen und Bewegungen in Sarastros Reich. Mancher Priester geriet da doch ins Schwitzen, als Papageno ein Strich-Frauchen mit eindeutigen körperlichen Reizen malte.

Besonders im ersten Akt gab es im schönen Bühnenbild von Hans Dieter Schaal, das zudem noch sehr atmosphärisch ausgeleuchtet wurde, viele nette Kleinigkeiten zu sehen, wie zum Beispiel den Eisbären, der erst von Taminos Flötentönen angelockt und später von Sarastros Förstergefolge eingefangen wurde. Der zweite Akt wurde dann deutlich ideenarmer. Der Großteil der Prüfungen fand vor dem weißen Gazevorhang statt. Und die Bösen wurden ganz schnell in die Hölle gezogen, bevor der durchschlagende Chor das harmonische Jubelfinale mit Fußballeinlage der Solisten singen durfte.

Musikalisch gab es keinen Spannungsabfall: Anfangs wirkten die Streicher des Osnabrücker Symphonieorchesters in ihren Einsätzen nicht immer präsent, doch schon bald konnte man sich an dem homogenen Klangbild erfreuen, das Dirigent Marius Stieghorst aus dem Graben zauberte. Mit feinen dynamischen Schattierungen und recht zügigen Tempi unterstützte er einen kurzweiligen Abend. Dazu gab es ein sehr engagiertes Ensemble: Christoph Nagler als sympathischer Papageno und der stimmlich draufgängerische Tamino von Joan Ribalta konnten darin ebenso überzeugen wie Rüdiger Nikodem Lazar als ausdrucksstarker Sprecher. Sie alle hatten sich den herzlichen Beifall des Publikums redlich verdient.


„vog“ im „Teuto Express“ (9.April 2005) findet unterm Titel
Bunter Bilderbogen mit zahlreichen Höhepunkten die Aufführung  mit...

...Regieeinfällen geradezu gespickt... Dennoch vermag Arila Siegerts Inszenierung von Wolfgangs Amadeus Mozarts Oper nicht vollends zu überzeugen, trotz vieler feinsinniger Anspielungen und der zum Teil schönen, wenn auch zumeist etwas sparsamen Bildersprache (Bühnenbild: Hans Dieter Schaal, Kostüme: Marie-Luise Strandt). Zu zahlreich setzt die Regisseurin verschiedene Stilmittel ein, und so wird aus der Osnabrücker „Zauberflöte“ letztlich keine „runde“ Geschichte... Das Premierenpublikum belohnte die Leistung des gesamten Ensembles mit lang anhaltendem Applaus.


Ralf Döring, rühmt unter der Überschrift
Sympathie für den lustigen Burschen in Schlabberjeans
in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (29.März 2005)
vor allem  die musikalischen Qualitäten.

...über weite Strecken gelingt Marius Stieghorst eine plastische Umsetzung der Partitur... Stieghorst legt überraschende Farben und Nuancen frei...

 
In einem Vorbericht (19.März 2005) schreibt er:

Pamina ist das Herzstück

Unendlich Leid hat ihr Papageno getan. "Ich wollte ihn unbedingt retten", erinnert sich Arila Siegert; der Wunsch wurde fast übermächtig, als sie sah, wie die Sehnsucht nach einem treuen Weibchen den Vogelmenschen fast in den Selbstmord trieb. Damals, in den fünfziger Jahren, wusste Arila Siegert noch nicht, dass die Rettung gleich in Gestalt dreier Knaben erscheinen würde. Es war ihre erste "Zauberflöte", die sie zusammen mit ihren Eltern in Dresden erlebte. Ein eindruckvolles Erlebnis: Schon damals war Arila Siegert von der bezaubernden Musik fasziniert. Aber um Papageno zu helfen, "war ich zu scheu."

Die Faszination für dieses Stück hat sie sich erhalten. "Mozarts Musik geht ans Herz", meint die Tänzerin, Choreografin und Regisseurin. Dieser Musik will sie auch Raum geben, wenn sie die Zauberflöte nun zum ersten Mal inszeniert: für das Osnabrücker Stadttheater. Weit gespannt ist für Siegert der Bogen dieses Singspiels: von Natur zu Kunst, von Naivität zu hoher Geistigkeit, von abgrundtiefem Hass bis zur unbedingten Liebe. "Es geht um die Grunddinge des Lebens", erklärt Siegert.

Aus dieser allumfassenden Sicht resultiert Siegerts Regieansatz. Natürlich sei es ein Leichtes, die Königin der Nacht (Gastsängerin Angelina Ruzzafante) als Alkoholikerin, Sarastro (Michael Tews) als Nazi darzustellen. Doch Siegert, die in den Achtzigern mit Ruth Berghaus und Peter Konwitschny zusammengearbeitet hat, will ihre Zuschauer "anregen zu eigenem Fühlen und Denken". Die eindimensionale Sicht "würde das töten". Zumal Mozart für jede seiner Personen eine "liebevolle Sensibiliät" übrig hat. "Auch für Sarastro, der Kraft seiner Macht mit Tamino (Joan Ribalta) nichts weniger als einen neuen Menschen schaffen möchte. Freilich im Korsett seiner Grenzen, die ihm durch Pamina (Natalia Atamanchuk) deutlich werden.

Um die Assoziationsräume möglichst offen zu halten, vermeidet Siegert Festlegungen. So will sie mit ihrem Bühnenbildner Hans Dieter Schaal nur durch einen Kreis andeuten, dass es sich beim Tempel im Reich Sarastros um ein abgeschlossenes System handelt. Darüber hinaus definiert sie ihren Regieansatz stark über die Charaktere: Über Papagenos (Christoph Nagler) Naturverbundenheit ("eine Rousseau'sche Figur"), über den pubertierenden Tamino, der als Nachfolger Sarastros installiert werden soll, über Paminas Bandbreite, die "von Naivität bis Jeanne d'Arc reicht". In ihr sieht Siegert "das Herzstück" der Oper. Denn sie kann sich mit Papageno im Liebesduett vereinen wie sich auch der unbedingten Liebe zu Tamino ausliefern und sich bei Sarastro für ihre Mutter einsetzen.

Über die vielschichtigen Personen zielt Siegert auf die Kraft der Imagination: Das Publikum soll reflektieren und assoziieren. Deshalb will sie die Räume frei halten: Siegert will die Zuschauer in den Bann ziehen. Nicht betäuben.