„Die Zauberflöte” (Võluflööt) von Vanemuine – eine verlockende
Einladung zur Oper
Kati Murutar, “Pärnu Postimees“ 11.10.2005
„Nicht zuletzt ist die gemeinsame
Arbeit der Deutschen Arila Siegert und
Susanne Knapp sehr beweglich und tänzerisch, findig und scharfsinnig
geworden.“
„Die durch einen frischen Blick ins Leben gerufene schwarzweiße Bühne macht
braune und graue Töne lebendig; diese Farben werden metallisch sowie auch
matt in den Kostümen variiert – aus der Fremde herbeigebracht sind so auch
diese in Frische! – und verleihen den Bewegungen des Vanemuise-Chors
Luftigkeit und die richtigen Akzente.
Siegert-Knapp-Schaal-Strandt haben diese kurzbeinige Masse geschwind vom
Boden erheben können.“
Die spielerische «Zauberflöte» in Tartu
Alvar Loog, “Postimees“ 03.10.2005
„Die von der Deutschen Arila Siegert im Großen Haus von Vanemuine zum
250. Geburtstag von Mozart auf die Bühne gebrachte «Zauberflöte», die am
Sonntag ihre Premiere hatte, befindet sich konzeptuell absolut auf dem
Niveau der Herausforderungen und Erwartungen. Teilweise reicht sie darüber
hinaus.“
„Das Bühnenbild von Hans Dieter Schaal verblüfft in seiner luftigen
Weitläufigkeit. Im Bühnenbild herrscht Überraschung dunkler Färbung vor,
große und bewegliche Stoffe schaffen jedoch reichlich Möglichkeit für
dynamisches Potential sowohl für das Licht als auch die Bewegungen auf der
Bühne.“
„Die feinen und modernistischen Kostüme von Marie-Luise Strandt waren ein
echter Blickfang, wegen des reinen Konzeptualismus hatte sie jedoch ihre
Phantasie hauptsächlich bei den Darstellern der Nebenrollen wirken lassen.“
„Arila Siegert hat eine interessante und detailreiche Aufführung geschaffen,
in der Ideen für mehrere ähnliche Vorhaben verborgen sind.
Als Identifikationsmerkmale ihrer «Zauberflöte» seien hier
Schauspielhaftigkeit, Visualität und in erster Linie Choreografität genannt.
in Siegert scheint das Blut einer Musical-Regisseurs zu fließen.“
«Die Zauberflöte» von Vanemuine ist im Schlüssel der Kabarett-Ästhetik
inszeniert worden, wobei die Musik, Worte und Bewegung synchron verlaufen.
„Im gemeinen Kampf um die Gunst des Publikums haben die findigen
Inszenierungen und Choreografie die Musik in den Hintergrund rücken lassen.“
„Ihre (Wendy Waller) Nachtkönigin war technisch großartig - nicht so kühl
wie gewohnt, eher sensuell, mehr exotisch als unirdisch.“
„«Die Zauberflöte» von Arila Siegert ist ein Beispiel aus dem Lehrbuch
der Inszenierung. Eine andere Frage ist jedoch, inwiefern sich ihre
Handschrift mit der der klassischen Oper deckt.“
Kann ein “Ismus” die Schönheit von Mozart töten?
Tiiu Levald, “Sirp” 14.10.05
Sicherlich bietet diese Oper unendliche Möglichkeiten zur Fantasie, aber
keinesfalls möchte man mit Verzerrung einverstanden sein, die in dieser
Inszenierung sogar als roter Faden aufgefallen ist – teilweise als ein
verhöhnender Feminismus wirkender Wunsch, alle männlichen handelnden
Personen zu verspotten.
Nicht genug damit, dass der erste Auftritt von Sarastro so unterstrichen das
Erscheinen vor die Untertanen des Großen Führers mit „Adlerblick“ war, er
musste sich vor Pamina ausziehen, damit sie das verräterische Messer in
seine haarige Brust stecken könnte! Aus Tamino ist ein Dummerchen und aus
Papageno ein Tölpel gemacht worden. Wieso?
In der Musik von Mozart sind die Arien von Sarastro voll von Vornehmlichkeit
und Menschlichkeit, Taisto Noor hat sie auch mit großartigem Stielgefühl
vorgeführt.
Dirigent Hendrik Vestmann hat trotz alldem eine sehr schöne musikalische
Ganzheit geschaffen. Das Gleichgewicht zwischen Orchester und Bühne war gut,
die Tempos überzeugend. Kantilenen konnten klingen und Koloraturen wurden in
keine Sackgasse getrieben.
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Alle Figuren suchen ein schönes Nest
Mozarts Zauberflöte in Osnabrück
Christoph Schulte im Walde, in „Westfälische Nachrichten“, 29.März 2005
Opernpremiere am Karsamstag – na prima. Dieser Termin dürfte Regisseurin
Arila Siegert bestimmt prächtig gepasst haben. Denn in der
Osnabrücker Zauberflöte spielt ein (Oster-)Nest und spielen (Oster-)Eier eine wichtige
Rolle, mal taubengroß, mal vom Vogel Strauß gelegt. Einem roten Faden gleich
zieht sich das riesige Gefecht aus Zweigen durch das Bühnenbild (Hans Dieter
Schaal), sowohl in der Welt der „Königin der Nacht“ als auch in Sarastros
Tugendtempel.
Arila Siegert erzählt Mozarts Meisterwerk als eine Geschichte, in der Tamino
und Pamina in verschiedenen unwirtlichen Welten Liebe und Geborgenheit
suchen – kurz: ihr eigenes Nest zum Kuscheln, einen Ort der Geborgenheit,
von dem aus sie ihr Leben, ihre Zukunft organisieren können. Dabei gelingen
ihr einige schöne Bilder, etwa wenn der Vogelfänger und Papagena für ihre
allerersten Zärtlichkeiten partout nicht die richtige Stellung im Nest
finden wollen. Auch die drei Knaben als wirkliche Nothelfer sind eine Augen-
und eine echte Ohrenweide. Situativ gibt es derlei unterhaltsame, das
Zwerchfell aktivierende Momente häufig in dieser Inszenierung.
...Stimmlich und darstellerisch der Publikumsliebling am Premierenabend:
Papageno Christoph Nagler. Der Tamino war bei Joan Ribalta gut aufgehoben,
auch wenn von seinem gewohnten Tenor-Glanz diesmal etwas fehlte. Ordentlich
die Damen: Angelina Ruzzafante sang die Königin der Nacht mit viel Kraft,
aber knapp verfehlten Spitzentönen. Natalia Atamanchuk traf sie besser, doch
fehlte ihr die Vielfalt an Farben, die für Mozarts Pamina nicht unwichtig
sind.
Am Dirigentenpult stand Marius Stieghorst, Osnabrücks frischgebackener
Erster Kapellmeister. Letzten Feinschliff im Orchester, perfekte Abstimmung
mit den Sängern – das werden die kommenden Aufführungen ganz sicher bringen.
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Zwei Halbstarke müssen sich entscheiden
Mozarts Zauberflöte präsentiert sich unterhaltsam und leicht in Osnabrück
Christoph Broermann, in „Münstersche Zeitung“, 29.März 2005
…Regisseurin Arila Siegert erzählte in ihrer
fast zeitlosen, mit modernen
Elementen versehenen Inszenierung die Geschichte von zwei jungen Männern: Tamino und Papageno. Sie arbeitete dabei die zwei unterschiedlichen
Charaktere heraus. Der eine ist ein Prinz mit ehrgeizigen Plänen – was
Karriere und Frau betrifft. Der andere ist Vogelfänger, der ohne Stress in
den Tag hineinlebt. Diese beiden Halbstarken bekommen im Machtkampf zwischen
Gut und Böse immer wieder eine neue Entscheidungsmöglichkeit geboten.
In Bezug auf den Sonnenherrscher Sarastro (mit schwarzem Bass: Michael Tews)
und die Königin der Nacht (Angelina Ruzzafante zeigte bei den schwierigen
Koloraturen Nerven) hatte die Regisseurin wenig Neues, aber
viel
Unterhaltsames zu erzählen. Herrlich grotesk (und manchmal schon lächerlich)
waren die streng geometrischen Formen und Bewegungen in Sarastros Reich.
Mancher Priester geriet da doch ins Schwitzen, als Papageno ein
Strich-Frauchen mit eindeutigen körperlichen Reizen malte.
Besonders im ersten Akt gab es im schönen Bühnenbild von Hans Dieter Schaal,
das zudem noch sehr atmosphärisch ausgeleuchtet wurde, viele nette
Kleinigkeiten zu sehen, wie zum Beispiel den Eisbären, der erst von Taminos
Flötentönen angelockt und später von Sarastros Förstergefolge eingefangen
wurde. Der zweite Akt wurde dann deutlich ideenarmer. Der Großteil der
Prüfungen fand vor dem weißen Gazevorhang statt. Und die Bösen wurden ganz
schnell in die Hölle gezogen, bevor der durchschlagende Chor das harmonische
Jubelfinale mit Fußballeinlage der Solisten singen durfte.
Musikalisch gab es keinen Spannungsabfall: Anfangs wirkten die Streicher des
Osnabrücker Symphonieorchesters in ihren Einsätzen nicht immer präsent, doch
schon bald konnte man sich an dem homogenen Klangbild erfreuen, das Dirigent
Marius Stieghorst aus dem Graben zauberte. Mit feinen dynamischen
Schattierungen und recht zügigen Tempi unterstützte er einen kurzweiligen
Abend. Dazu gab es ein sehr engagiertes Ensemble: Christoph Nagler als
sympathischer Papageno und der stimmlich draufgängerische Tamino von Joan Ribalta konnten darin ebenso überzeugen wie
Rüdiger Nikodem Lazar als
ausdrucksstarker Sprecher. Sie alle hatten sich den herzlichen Beifall des
Publikums redlich verdient.
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„vog“ im „Teuto Express“ (9.April 2005) findet unterm Titel Bunter Bilderbogen mit zahlreichen Höhepunkten
die Aufführung mit
...Regieeinfällen geradezu gespickt... Dennoch vermag Arila Siegerts
Inszenierung von Wolfgangs Amadeus Mozarts Oper nicht vollends zu
überzeugen, trotz vieler feinsinniger Anspielungen und der zum Teil schönen,
wenn auch zumeist etwas sparsamen Bildersprache (Bühnenbild: Hans Dieter Schaal, Kostüme:
Marie-Luise Strandt). Zu zahlreich setzt die Regisseurin verschiedene
Stilmittel ein, und so wird aus der Osnabrücker „Zauberflöte“ letztlich
keine „runde“ Geschichte... Das Premierenpublikum belohnte die Leistung des
gesamten Ensembles mit lang anhaltendem Applaus.
Ralf Döring, rühmt unter der Überschrift Sympathie für den
lustigen Burschen in Schlabberjeans in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“
(29.März 2005) vor allem die musikalischen Qualitäten.
...über weite
Strecken gelingt Marius Stieghorst eine plastische Umsetzung der Partitur... Stieghorst
legt überraschende Farben und Nuancen frei...
In einem Vorbericht in der Ausgabe vom 19.03.2005 schreibt er:
Pamina ist das Herzstück
Unendlich Leid hat ihr Papageno getan. "Ich wollte ihn unbedingt retten",
erinnert sich Arila Siegert; der Wunsch wurde fast übermächtig, als sie sah,
wie die Sehnsucht nach einem treuen Weibchen den Vogelmenschen fast in den
Selbstmord trieb. Damals, in den fünfziger Jahren, wusste Arila Siegert noch nicht, dass
die Rettung gleich in Gestalt dreier Knaben erscheinen würde. Es war ihre
erste "Zauberflöte", die sie zusammen mit ihren Eltern in Dresden erlebte.
Ein eindruckvolles Erlebnis: Schon damals war Arila Siegert von der
bezaubernden Musik fasziniert. Aber um Papageno zu helfen, "war ich zu
scheu."
Die Faszination für dieses Stück hat sie sich erhalten. "Mozarts Musik
geht ans Herz", meint die Tänzerin, Choreografin und Regisseurin. Dieser
Musik will sie auch Raum geben, wenn sie die Zauberflöte nun zum ersten
Mal inszeniert: für das Osnabrücker Stadttheater. Weit gespannt ist für Siegert der Bogen dieses Singspiels: von Natur zu
Kunst, von Naivität zu hoher Geistigkeit, von abgrundtiefem Hass bis zur
unbedingten Liebe. "Es geht um die Grunddinge des Lebens", erklärt Siegert.
Aus dieser allumfassenden Sicht resultiert Siegerts Regieansatz.
Natürlich sei es ein Leichtes, die Königin der Nacht (Gastsängerin Angelina
Ruzzafante) als Alkoholikerin, Sarastro (Michael Tews) als Nazi
darzustellen. Doch Siegert, die in den Achtzigern mit Ruth Berghaus und
Peter Konwitschny zusammengearbeitet hat, will ihre Zuschauer "anregen zu
eigenem Fühlen und Denken". Die eindimensionale Sicht "würde das töten".
Zumal Mozart für jede seiner Personen eine "liebevolle Sensibiliät" übrig
hat. "Auch für Sarastro, der Kraft seiner Macht mit Tamino (Joan Ribalta)
nichts weniger als einen neuen Menschen schaffen möchte. Freilich im Korsett
seiner Grenzen, die ihm durch Pamina (Natalia Atamanchuk) deutlich werden.
Um die Assoziationsräume möglichst offen zu halten, vermeidet Siegert
Festlegungen. So will sie mit ihrem Bühnenbildner Hans Dieter Schaal nur
durch einen Kreis andeuten, dass es sich beim Tempel im Reich Sarastros um
ein abgeschlossenes System handelt. Darüber hinaus definiert sie ihren
Regieansatz stark über die Charaktere: Über Papagenos (Christoph Nagler)
Naturverbundenheit ("eine Rousseau'sche Figur"), über den pubertierenden
Tamino, der als Nachfolger Sarastros installiert werden soll, über Paminas
Bandbreite, die "von Naivität bis Jeanne d'Arc reicht". In ihr sieht Siegert
"das Herzstück" der Oper. Denn sie kann sich mit Papageno im Liebesduett
vereinen wie sich auch der unbedingten Liebe zu Tamino ausliefern und sich
bei Sarastro für ihre Mutter einsetzen.
Über die vielschichtigen Personen zielt Siegert auf die Kraft der
Imagination: Das Publikum soll reflektieren und assoziieren. Deshalb will
sie die Räume frei halten: Siegert will die Zuschauer in den Bann ziehen.
Nicht betäuben.
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