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Anna Virovlansky als Argie in "Les Paladins" (Du¨sseldorf)

Orpheus-Ballett (Henze-Berghaus)

Die menschliche Figur

Faur?: P?n?lope

Weber: Der Freischuetz

Globokar: Armonia drammatica

Leh?r: Land des Laechelns

Mozart: Zauberfloete

La Giuditta

La traviata, Todeshalluzinationen

Cipollino-Ballett

Sache Makropulos

Gogol, Wien

Romeo und Julia auf dem Dorfe

Barbier

Eugen Onegin Freiberg 2013

Jenufa Kiel 2013

Arila Siegert

kommt vom Tanz und der Choreografie. Sie hat großen Einfluss genommen auf die Weiterentwicklung des Ausdruckstanzes. Palucca selbst war ihre Lehrerin im „neuen künstlerischen Tanz“ – eine prägende Erfahrung. Ihre fundierte „klassische“ Ausbildung erhielt sie bei Nina Ulanowa.

Tom Schilling engagierte sie 1970 an das Tanztheater der Berliner Komischen Oper. Die Arbeit im Haus von Walter Felsenstein und mit ihm wurde für sie eine weitere wichtige Erfahrung. 1979 avancierte sie zur Solotänzerin an der Staatsoper Dresden. Schon in der Studienzeit begann sie zu choreografieren. Ihre ersten Soloabende „Gesichte“ (1985), dann „HerzSchläge“, „Fluchtlinien“, aber auch Rekonstruktionen von Choreografien des deutschen Ausdruckstanzes wie Mary Wigmans „Hexentanz“, Dore Hoyers „Afectos humanos“, Marianne Vogelsangs „Bach Praeludien“ machten sie international bekannt. Gastspiele führten sie um die ganze Welt. Gefeiert wurde sie in Paris wie in Washington, wo ein Kritiker sie als „Ausnahmekünstlerin“ bezeichnete.

Auch mit eigenen Kompanien trat sie hervor. Am Dresdner Staatsschauspiel gründete sie 1987 ein Tanztheater, am Anhaltischen Theater Dessau eine Tanzkompanie (1992). Für zwei Jahre (1996/98) übernahm sie als „berufene Expertin“ die Leitung der Bühne am Bauhaus Dessau. Es entstanden abendfüllende Choreografien. Die ersten waren die Uraufführung von Gerald Humels „Othello und Desdemona“ (1988) auf ein eigenes Libretto und Henzes „Undine“ in Berlin, Stockhausens „Setzt die Segel zur Sonne“ in Wien, „MedeaLandschaften“ nach Musik von Sofia Gubaidulina in Leipzig. In Dessau brachte sie u.a. eine Rekonstruktion von Kandinskys „Der gelbe Klang“, das Mahlersche „Lied von der Erde“, Verdi-„Requiem“ oder Strawinskys „Sacre“ heraus. Hier eine Übersicht.

Zu den prägenden Erfahrungen zählt auch, als sie 1986 Ruth Berghaus assistierte bei der Choreografie von Hans Werner Henzes „Orpheus“-Ballett an der Wiener Staatsoper, die Arbeit mit Peter Konwitschny an Kurt Weills „Sieben Todsünden“ am Dresdener Staatsschauspiel (1987) und der Abend mit den Shakespeare-„Sonetten“ unter Wolfgang Engel ebenda. Eigene Abende gestaltete sie am Bauhaus u.a. mit der „Ursonate“ nach dem Dadaistischen Gedicht von Kurt Schwitters oder als sie mit dem Bühnenarchitekten Hans Dieter Schaal die „Stadträume“ kreierte.

Mit Hans Dieter Schaal und der der Kostümbildnerin Marie-Luise Strandt inszenierte sie auch ihre erste Oper: „Macbeth“ von Giuseppe Verdi in Ulm 1998. Viele weitere Arbeiten fürs Musiktheater entstanden seitdem wie „Aida“, „Titus“, „La voix humaine“, „Eugen Onegin“, „Hoffmanns Erzählungen“. Einer ihrer größten Erfolge war der „Freischütz“. Die Fachkritik stellte ihn auf eine Stufe mit Inszenierungen von Ruth Berghaus und Peter Konwitschny.

Neue und unbekannte Werke reizen Arila Siegert besonders. Wichtig ist ihr die Erarbeitung der Stücke aus dem Gestus der Musik. So brachte sie in Schwetzingen einen Abend mit Einaktern der „Mannheimer Schule“ von Cannabich und Holzbauer heraus. Für die EXPO 2000 in Hannover inszenierte sie die Kammeroper „Der Meister und Margarita“ (nach Bulgakows Roman) des zu sowjetischen Zeiten verfemten Sergej Slonimski.

In Bielefeld realisierte sie die szenische Erstaufführung von Vinko Globokars als unspielbar geltender „L’armonia drammatica“. In Chemnitz brachte sie die späte Deutsche Erstaufführung der einzigen Oper von Gabriel Fauré heraus, „Pénélope“. Oder sie erprobte in einer turbulenten Inszenierung Kleists „Zerbrochenen Krug“ von Fritz Geißler neu, in den 1970-iger Jahren eine der meistgespielten Kammeropern.

Aber sie näherte sich auch der Operette und dem Musical. Lehárs „Land des Lächelns“ wurde eine beim Publikum gefeierte Aufführung (und von Kritikern später auf eine Stufe gestellt mit der Peter Konwitschnys). Aber auch die „Lustige Witwe“ konnte viele Aufführungen verbuchen. Kultstatus erreichte ihre berührende Einrichtung von „Anatevka“ mit dem gesamten Ensemble in Eisenach, für die Grit Dora von Zeschau das Bühnenbild schuf. Als mit dieser Inszenierung am 14.Juni 2008 der Betrieb des selbständigen Theaters Eisenach eingestellt werden musste, gab es am Ende der Vorstellung 34 Minuten lang standing ovations.

Gleich zweimal inszenierte sie Mozarts „Zauberflöte“, eine der beiden Produktionen entstand im Estnischen Tartu. Eine weitere Fassung entsteht zu den Opernfestspielen Tampa Florida. Ihren ersten Wagner inszenierte sie mit dem „Fliegenden Holländer" im Mai 2007. Die Aufführung wurde von Publikum und Kritik als „bravourös" gefeiert und bei der Umfrage 2007 der Fachzeitschrift „Opernwelt" wurde sie dafür nominiert in der Kategorie „Regisseur des Jahres". Ein überragender Erfolg wurde auch die szenische Einrichtung eines Judith-Oratoriums von Alessandro Scarlatti in Mainz, „La Giuditta". Und standing ovations gab es dort auch für Mozarts "Figaro" und Henry Purcells "Dido and Aeneas". Als besonders musikalisch gerühmt wurde der Heidelberger „Idomeneo“.

Weitere gefeierte Produktionen waren das Kinderballett "Cipollino" in Köln oder Janáčeks "Sache Makropulos".

An Düsseldorfs Rheinoper gestaltete sie die deutsche szenische Erstaufführung von Jean-Philippe Rameaus später Ballett-Komödie "Les Paladins", Händels "Alcina" in Schwerin und im Mai folgte eine zeitgenössische Oper über den amerikanischen Bürgerkrieg von Carlisle Floyd, "The Passion of Jonathan Wade", in Salzburg am Landestheater. Weitere Arbeiten waren "Don Giovanni" und der "Barbier von Sevilla" in Plauen-Zwickau, "la traviata" in Regensburg und "l'incoronazione di Poppea" mit einem jungen Ensemble in Rheinsberg. Für die Uraufführung der "Gogol"-Oper von Lera Auerbach im Theater an der Wien zeichnete sie für die Choreografie verantwortlich, Frederick Delius' "Romeo und Julia auf dem Dorfe" in Karlsruhe lockte sogar einen Kritiker der New York Times. Bei der Saison-Umfrage 2012 der Fach-Zeitschrift Opernwelt wurde diese Arbeit von mehreren Kritikern in unterschiedlichen Kategorien wie Wiederentdeckung, Inszenierung/Regie, Kostüme, Dirigent des Jahres genannt.

Auch als Tänzerin zeigte sie sich immer wieder. So in einem „Die menschliche Figur“ getitelten Abend, den Helge Leiberg live „übermalte“ und den der Kritiker Jochen Schmidt in der FAZ hymnisch lobte: mit diesem „starken Stück“ zeige sich Siegert wieder in der „ersten Reihe der Tanztheater-Choreografen“. Auch in einer eigenen Inszenierung von Glucks „Orfeo ed Euridice“ mit dem Counter Martin Wölfel, der blinden Sopranistin Gerlinde Sämann und dem Dirigenten Wolfgang Hauschild choreografierte sie sich eine Rolle. Mit Ravels „Bolero“ kreierte sie ein neues Solo.

Arila Siegert hat viele Auszeichnungen erhalten: den Kritikerpreis für Tanz etwa erhielt sie 1989, mit dem Bundesverdienstkreuz wurde sie 1993 geehrt. 1997 wählte die Berliner Akademie der Künste sie als Mitglied, 2007 die Sächsische Akademie in Dresden. Das Goethe-Institut wählte sie 2010 in seine Mitgliederversammlung. Das Archiv der Berliner Akademie verwahrt ihre Materialien als Anschauungsmaterial für Studentinnen und Studenten. Darüber hinaus wirkt sie als Mentorin für junge Tänzer/-innen und angehende Regisseure/-innen in Seminaren und Workshops. Zuletzt für junge Tänzer-Choreografen an der Akademie der Künste Berlin im Rahmen einer Video-Werkschau.

Die nächsten Termine finden sich unter: Termine bzw. Aktuell.

Arila Siegert lebt in Berlin. Vertreten wird sie durch Ingrid Raffeiner, Theateragentur Marx in München.

Ein Buch über sie ist in Arbeit, es wird im November 2014 vorgestellt. In einem von Irene Bazinger im Rotbuchverlag herausgegebenen Sammelband Regie: Ruth Berghaus. Geschichten aus der Produktion berichtet sie über ihre Zusammenarbeit mit der großen Regisseurin und Choreografin.

Ein Portrait kann man finden im Januar-Heft 2010 der Deutschen Bühne.

 

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